Geschichte Kinzenbachs – ein Gang durch die Zeit

Kinzenbach liegt malerisch schön auf eine Anhöhe des rechten Lahntals, etwa ½
Stunde von dem Lahnfluß entfernt... Ältere Bauernhöfe haben nicht selten
überdachte, vom Alter geschwärzte Tore, welche denselben ein stattliches Aussehen
verleihen. …Der Ackerboden ist meistens von vorzüglicher Güte, (sandiger
Lehmboden) auf welchem die bekannten deutschen Getreidearten und Gemüse
vortrefflich gedeihen. Auch die Pflege des Obstbaumes geschieht von sämtlichen
Bewohnern, sodass das freundliche Dörfchen von einem Kranz fruchtbarer Bäume
umgeben ist. Die geschützte Lage im Norden durch einen Höhenzug abgegrenzt
sowie das breite Lahntal im Süden begünstigen das Streben und belohnen den Fleiß
der überaus regsamen Bewohner, die in Bezug auf Wohlstand hinter denjenigen der
Nachbargemeinden nicht zurückgeblieben sind. Ackerbau und Viehzucht ist die
Haupterwerbsquelle und finden die landwirtschaftlichen Erzeugnisse in den
benachbarten Städten Gießen und Wetzlar schon von jeher guten Absatz…“1
Wenn wir mit einer Zeitmaschine in die Vergangenheit reisen könnten, was sich
einige von ihnen vielleicht auch schon einmal gewünscht haben, könnten wir
sicherlich viel erleben und erfahren. Jede Epoche hatte ihre Herausforderungen, ihre
Ereignisse und wir könnten von Freude und Glück, aber auch von Trauer und Leid
der Bewohner Kinzenbachs erfahren.
Jeder Ort, und sei er auch noch klein, hat seine Geschichte. Und Ortsgeschichte ist
immer eingebunden in das allgemeine historische Geschehen. Vergangenheit und
Gegenwart eines Dorfes oder einer Stadt sind verwoben mit wirtschaftlichen und
politischen Entwicklungen außerhalb der Ortsgrenzen. Ortsjubiläen sind geeignete
Anlässe, um einmal Rückschau zu halten und das ein oder andere Ereignis etwas
genauer zu betrachten. Werfen wir also einen Blick auf die Geschichte Kinzenbachs.
Erstmals urkundlich erwähnt wird Kinzenbach am 27. Mai 788, also vor 1225 Jahren.
Diese Eintragung finden wir im Lorscher Codex.

1 aus der Schulchronik, GemA Heuchelheim, Bestand Kinzenbach, Nr. 53

Dies bedeutet aber nicht, dass der Ort an diesem Datum erst gegründet wurde. Er
bestand vielmehr schon länger, nur fehlen aus dieser Zeit aber die schriftlichen
Quellen über seine Existenz.
Dem Eintrag im Lorscher Codex ist zu entnehmen, dass ein gewisser Godescale in
der Kinzenbacher Mark und in der Krofdorfer Mark seine Hofreite, mit allem was dazu
gehörte dem Kloster Lorsch vermacht. Sie stellen sich jetzt vielleicht die Frage, was
es mit dem Lorscher Codex auf sich hat?
Die ersten Stätten, an denen man die einst so seltene Kunst des Lesens und
Schreibens lehrte und lernen konnte, waren Klöster. Aus ihren Archiven und
Bibliotheken stammen die frühesten schriftlichen Nachrichten. Dabei handelt es sich
meist um Urkunden, die Angelegenheiten von rechtlicher Bedeutung, rechtliche
Tatsachen und Rechtshandlungenschriftlich festhalten. In Urkunden wurden und
werden heute noch immer Rechtsgeschäfte wie z. B. Eheschließungen, Gütertausch
oder Vermächtnisse dokumentiert. Damals wurden diese Urkunden in Latein
abgefasst.
Kinzenbach gehörte zum Lahngau, einem jener großen Verwaltungsgebiete, in die
sich das Frankenreich damals gliederte. Die hiesige Gegend hatte zum Kloster
Lorsch besonders enge Beziehungen. Wieso vermachte nun Godescale seinen
Besitz diesem Kloster?
Eine Antwort auf die Frage, warum damals so häufig Ländereien, Gebäude,
Besitztümer verschenkt wurden, ist nur möglich, wenn man die
Glaubensvorstellungen der damaligen Zeit kennt.
Der fromme Christ glaubte, dass die Seele des Menschen nach dessen Tod vor Gott
Rechenschaft ablegen müsse über das vorausgegangene irdische Leben. Zur
Läuterung wurde dann die Seele in das Fegefeuer gesandt. Um diese Qualen zu
verkürzen, mussten die Lebenden beten, gute Werke tun und Almosen spenden.
Durch eine Schenkung an das Kloster Lorsch und den heiligen Nazarius
(Schutzpatron des Klosters) gewann man ihn als Fürsprecher und verpflichtete die
Mönche, für das Seelenheil des Stifters zu beten.

Jede derartige Schenkung wurde in einem Vertrag zwischen Stifter und Kloster
urkundlich bestätigt. Im Laufe der Jahre sammelten sich fast 3800 Urkunden an. Im
12. Jahrhundert begann man damit, die Urkunden mühevoll zu entziffern und
abzuschreiben. Und so entstand der Lorscher Codex.
Er wurde also erstellt, um die Rechte und Besitztümer des Klosters Lorsch zu
dokumentieren und damit der Abtei langfristig zu sichern. Der Lorscher Codex enthält
die Ersterwähnung vieler Gemeinden und ist die älteste geschriebene
Geschichtsquelle für Hunderte von Orten.
Es gibt noch eine zweite schriftliche Erwähnung Kinzenbachs in einer Fuldaer
Urkunde, die aber leider nicht genauer datiert werden kann.
Der Historiker Dr. Karl Glöckner hat nachgewiesen, dass die beiden Gemarkungen
Heuchelheim und Kinzenbach zu jener Zeit nur eine einzige Gemarkung bildeten.
In den folgenden Jahrhunderten schweigen nun die schriftlichen Quellen. Erst im 13.
Jahrhundert taucht der Name Kinzenbach wieder auf. Mittlerweile hatte die
Grafschaft Gleiberg im mittelhessischen Raum eine beherrschende Stellung
eingenommen.
Im 12. Jahrhundert kam es zu einer Teilung der Grafschaft an der mittleren Lahn.
Graf Wilhelm erhielt die Osthälfte2, und Otto die Westhälfte3.
Ein Teil der alten Grafschaft Gleiberg blieb für lange Zeit gemeinsamer Besitz. dazu
gehörten das „gemeine Land an der Lahn“ (Kinzenbach, Heuchelheim, Rodheim,
Fellingshausen, Launsbach und Wißmar) sowie der Hüttenberg, das Gericht Lollar,
Großen-Linden, Niederkleen und Vollnkirchen. Da Kinzenbach nach der Teilung zum
gemeinen Land an der Lahn gehörte, hatte es nach den Gleibergern, gleichzeitig die
Pfalzgrafen von Tübingen und die Herrn von Merenberg, danach die Nassauer
Grafen und die Landgrafen von Hessen als Landesherrn. In jener Zeit gab es noch

2 Die Witwe von Graf Wilhelm war Salome, die sich Gräfin von Gießen „comitissa de Giezzen“ nannte.
Keimzelle dieser Stadt war wohl eine um die Mitte des 12. Jh. erbaute kleine Wasserburg, um seinen
Territorien einen Herrschaftsmittelpunkt zu schaffen. Seine Tochter Mechthild brachte diese kleine
Teilgrafschaft Gießen durch Heirat an die Pfalzgrafen von Tübingen. Von denen ging sie 1265,
wahrscheinlich durch Kauf an die Landgrafen von Hessen über.
3 Der Westteil mit dem schon 1103 durch König Heinrich V. zerstörten Gleiberg als Mittelpunkt wurde
von Graf Ottos Tochter Irmgard an die Herren von Merenberg vererbt, die dieses Gebiet bis 1328
besaßen und es danach an die Grafen von Nassau-Weilburg weitervererbten.

keine Notwendigkeit für eine exakte Markierung der Grenze. Noch hatte man
genügend Weide, Ackerland und Wald für die doch geringe Bevölkerungszahl.
Zunächst behielt man Gebiete gerne gemeinsam, wenn sie z. B. fruchtbare Böden
hatten. Auch war man in Zeiten häufiger Fehden in der Lage, gemeinsamen Besitz
besser zu sichern. Im Laufe der Zeit aber führte die Doppelherrschaft zu
Spannungen und Auseinandersetzungen und Prozesse mehrten sich. Halten wir fest,
dass es verschiedene Gebietsveränderungen gab und familiäre und kriegsbedingte
Teilungen. 1585 kam es zwischen dem Landgrafen von Hessen und dem Grafen von
Nassau-Weilburg zum Teilungsvertrag und somit war auch die ursprüngliche
Gemeinsamkeit von Heuchelheim und Kinzenbach aufgehoben. Hessen erhielt die
Dörfer Heuchelheim, Rodheim, Fellingshausen sowie Großenlinden und das Gericht
Kirchberg-Lollar. Nassau aber die Dörfer Kinzenbach, Launsbach und Wißmar,
schließlich noch aus dem Hüttenberg die Dörfer Niederwetz, Reiskirchen,
Volpertshausen und Weidenhausen. Zwischen den beiden Orten Heuchelheim und
Kinzenbach verlief nun eine Grenze und so blieb es mehrere hundert Jahre lang,
nämlich bis 1967. Aber dazu kommen wir später
In dieser Zeit, also im 16. Jahrhundert, begann auch der Waldstreit. Heuchelheim
und Kinzenbach hatten als gemeinsamen Besitz einen Wald innerhalb des Gebietes
um den Himberg, als Heuchelheimer Wald bekannt, und eine Weide, die
„Völkerbach“ genannt wurde. Die Landesherren hatten bei der Teilung nur die
Gemarkungen durch eine Landesgrenze geschieden, aber die Rechte der beiden
Orte an diesem Wald blieben unverändert. Einnahmen aus dem Wald, Brennholz und
andere Nutzung wurden nach Haushalten verteilt. Beide Gemeinden hatten auch das
Recht, Schweine in den Wald zu treiben und wenn genügend Futter vorhanden war,
durften auch andere Gemeinden Schweine gegen Mastgeld dorthin treiben. Das
Märkerding, das Forst- und Waldgericht, zu dem aus jeder Gemeinde zwei Märker
gewählt wurden, regelte einige grundsätzliche Dinge, wie z. B. die Holzabfuhr.
Von Heuchelheim aus betrachtet lag der Wald nun im Ausland und die
Heuchelheimer konnten nur über die Gemarkung Kinzenbach in den Wald gelangen.
Eigentlich verwundert es da nicht, dass es immer wieder zwischen beiden
Gemeinden zu Unstimmigkeiten und Streitigkeiten um die Waldnutzung und die
Anwendung einzelner Vertragsbestimmungen kam. Letztlich ging es dabei immer
wieder um die Frage, ob der auf nassauischem Gebiet gelegene Wald nun hessisch
oder nassauisch sei. Auftakt eines lange dauernden Streits war im Jahre 1702 die
Pfändung der zur Nachmast getriebenen Heuchelheimer Schweine durch
Kinzenbach. Bei einem zweiten Eichelfall nahm Kinzenbach die dann mögliche
Nachmast für sich allein in Anspruch und verlangte später auch die Hälfte des Holzes
statt der Aufteilung nach Haushaltungen. Man stritt um die missbräuchliche
Verwendung von Holzerträgen und der Streit wurde immer unübersichtlicher und
verzwickter. Die Heuchelheimer erhielten aus dem Wald 28 Wagen Holz, die für den
Bau eines Back- und Rathauses gedacht waren. Aber anstatt mit dem Bau zu
beginnen, verkauften sie das Holz. Nun verlangte Kinzenbach eine Entschädigung.
Heuchelheim bot zunächst einen Geldanteil vom Erlös des verkauften Holzes, zog
dieses Angebot aber wieder zurück. Dies verärgerte die Kinzenbacher, sie holten
sich in Eigenregie als Entschädigung Holz. Dies wiederum missfiel den
Heuchelheimern, und bei Gelegenheit transportierten einen durch Sturm gefällten
Baum ab. Nun waren wiederum die Kinzenbacher verärgert und pfändeten sogleich
den Heuchelheimern Ochsen, Pferd und sechs Schweine. Das Gießener Amt
(zuständig für Heuchelheim) beantragte in Weilburg (zuständig für Kinzenbach) die
Herausgabe der Tiere und veranlasste eine Zusammenkunft, bei der die Missstände
geklärt werden sollten. Bedauerlicherweise kam es jedoch zu keiner Einigung. In der
Zwischenzeit verkauften die Kinzenbacher schon die sechs Schweine und hielten die
Ochsen und das Pferd noch monatelang zurück. Hilfe durch die Obrigkeit blieb aus.
Nun griffen die Heuchelheimer zur Selbsthilfe. „Wie du mir, so ich dir“ dachten sie
sich wohl und nahmen den Kinzenbacher Bauern auf der Landstraße acht Pferde ab,
die sie auch auf Befehl des Gießener Amtes nicht zurückgaben. Weitere
Zwischenfälle ereigneten sich, und schließlich raubten die Heuchelheimer die
gesamte Kinzenbacher Schweineherde und verkauften sie an einen Metzger. Die
Situation war mehr als verfahren. Bei all diesen Vorgängen hatte die nassauische
Obrigkeit Kinzenbach stets unterstützt und Heuchelheim auch mehrfach vor Gericht
geladen. Die hessische Gießener Behörde aber wies Heuchelheim an, den
Ladungen nicht Folge zu leisten. Und so ging es hin und her. Schließlich beantragten
die Gießener Räte Klage beim Reichsgericht. Eine Anklageschrift wurde aufgesetzt
und nach Darmstadt gesandt. Die aber, so ist zu lesen, ging verloren. 4

4 Konrad Reidt hat den Waldstreit zwischen Kinzenbach und Heuchelheim in „Heuchelheim –
Geschichte eines Dorfes im Lahnbogen“, 1986; S. 260 ff detailliert beschrieben.

Die Sache ging nicht voran, eine Einigung war nicht in Sicht. Der Streit der beiden
Gemeinden wurde immer mehr ein Streit der Beamten beider Regierungen. Der
Konflikt zog sich noch viele Jahre hin. Die Waldbewirtschaftung musste irgendwie
fortgesetzt werden und es kam immer wieder zu allerlei Zwischenfällen. Man raubte
Vieh, prügelte sich, inhaftierte Personen und holte sich, wenn es gar nicht mehr
anders ging seinen Holzanteil unter militärischem Schutz. Fast 200 Jahre zog sich
der Waldstreit mit Unterbrechungen hin. Erst in den 70er Jahren des 18.
Jahrhunderts löste sich mühsam der Knoten, der Wald wurde geteilt und die Rechte
geklärt. Demnach erhielt Kinzenbach den südlichen Teil mit 42 Morgen und
Heuchelheim die übrigen 96 Morgen. Dazu gab es noch einige Nebenabreden
wegen der sonstigen Gerechtigkeiten wie Weiderecht und Viehtrift durch die
Kinzenbacher Gemarkung.So ging der Waldstreit über die Zeit des 30jährigen Krieges
und auch die des Siebenjährigen Krieges hinaus.
Der 30jährige Krieg gilt als eine der schlimmsten Katastrophen der deutschen
Geschichte. Insbesondere in den letzten Jahren hatte die hiesige Gegend unter den
Kriegswirren zu leiden. 1646 wurde Burg Gleiberg zerstört, ein Jahr später wurde die
Burg auf dem Staufenberg Ruine. Vom 14. Jahrhundert bis in die Zeit des
Dreißigjährigen Krieges hinein, wütete die Pest auch in unserer Region. Unzählige
Menschen starben. Wie viele Menschen die Pestilenz dahin raffte, ist nicht
überliefert. Nach Angabe des Historikers Otto Stumpf, der glücklicherweise bereits in
den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts Abgaben und Leibeigenverzeichnisse
akribisch durcharbeitete, bevor die Akten im 2. Weltkrieg vernichtet wurden, war auch
Kinzenbach von der Pest nicht verschont geblieben. Seinen Angaben zufolge heißt
es 1568 in einer Rechnung des Amtes Gleiberg über Kinzenbach: „seind diß Jar zu
Kintzenbach keiner Huener erhoben worden, dieweil die seucht der giftigen
Pestilenntz des Orts seer regirt“.5 Die bäuerliche Bevölkerung lebte nämlich meist in
Leibeigenschaft zum Landesherrn. Als Zeichen der Leibeigenschaft mussten sie
jährlich ein Huhn abliefern und im Todesfall fiel dem Landesherrn das Besthaupt zu,
das beste Stück Vieh. Leibeigene konnten auch jederzeit zu Frondiensten
herangezogen werden. Auch die Freizügigkeit war stark eingeschränkt, d. h. wenn

5 Stumpf, Otto: Einwohnerlisten des Amtes Gießen vom 15. bis zum 17. Jahrhundert (1470-1669) mit
einem Abriss über die Namensgebung. Gießen,1983, S. 139

überhaupt, konnten Leibeigene nur mit Einverständnis ihres Herrn ihren Wohnsitz
wechseln. Die Abschaffung der Leibeigenschaft wurde übrigens 1807 in Preußen
eingeleitet.
Mit dem Siebenjährigen Krieg (1756 – 1763) kamen wieder neue Kriegszeiten. Auch
in der Umgebung von Gießen kam es zu ständigen Gefechten zwischen den
verfeindeten Armeen und der Besetzung durch fremde Truppen. „Eine Armee der
Verbündeten Preußens unter Ferdinand von Braunschweig hatte die Aufgabe, die
Franzosen im Westen festzuhalten und grub sich zu diesem Zweck auf dem rechten
Lahnufer bei Gießen auf der Linie Waldgirmes-Atzbach-Kinzenbach-Krofdorf-
Gleiberg und Wißmar ein. Davon zeugen die heute noch gut sichtbaren Schanzen,
wie sie im Krofdorfer Forst, am Königstuhl und auch in der hiesigen Gemarkung zu
finden sind“6. Auf der linken Lahnseite war Gießen von den Franzosen besetzt
worden. Die Dörfer mussten Nahrungsmittel, Vieh und Pferde sowie Futter liefern.
Erst als Gießen Ende des Jahres 1762 von den Franzosen geräumt wurde und die
Feldlager aufgegeben wurden, kehrte Frieden in den Dörfern ein.
Aber gehen wir noch einmal zurück:
Bereits im 14. Jahrhundert, genauer gesagt 1384 wird auch die Mandelmühle, die
Kinzenbacher Mühle, anlässlich eines Verkaufs des Gilbrechts von Trohe an das Stift
Wetzlar urkundlich genannt.
Die Kinzenbacher Mühle und die Seemühle am Gleibach waren die Gleiberger
Burgmühlen. Der hessische Landgraf erwarb die Kinzenbacher Mühle von Johann
von Göns, dem letzten seines Geschlechts, und tauschte sie 1585 mit Nassau gegen
die Heuchelheimer Mühle. Die Eigentümer hatten die Mühle jeweils an einen Müller
verpachtet. Die Bauern der näheren Umgebung waren in der Regel verpflichtet, bei
einer bestimmten Mühle mahlen zu lassen. Zur Kinzenbacher Mühle waren die Orte
Kinzenbach, Krofdorf, Gleiberg, Launsbach und zeitweise ein Teil von Wißmar
gebannt, d.h. sie mussten dort mahlen lassen.
1755 hob die nassauische Regierung den Mühlenbann auf. Dies bedeutete für
manchen Müller geringere Einnahmen, da nun jeder dort mahlen konnte, wo er
wollte. Als zahlreiche Müller dagegen Einspruch erhoben, schränkte die Regierung
die Wahlfreiheit wieder ein. Fast 600 Jahre wurde in der Kinzenbacher Mühle
gemahlen, erst 1964 wurde der Mahlbetrieb endgültig eingestellt.

6 Knauß, Erwin: Betrachtungen zur Geschichte Kinzenbachs in: 1200 Jahre Kinzenbach, 1991, S. 7

Der Teilungsvertrag von 1585 zwischen Hessen und Nassau- Weilburg schloss auch
die kirchliche Neuordnung ein. In den beiden Territorien Hessen und Nassau-
Weilburg war die Reformation eingeführt worden, aber mit der Teilung des „gemeinen
Landes an der Lahn“ verlor Heuchelheim sein Filialdorf Kinzenbach, das nunmehr
zur Pfarrei Krofdorf gehörte. Dies hatte auch bis 1968 Bestand. Weil Heuchelheim
die Kinzenbacher Pfründe verloren gingen, musste zunächst das gemeinsame
Kirchenvermögen aufgeteilt werden und es wurde vereinbart, dass die Erben des
Johann von Göns, Besitzer der Mandelmühle jährlich eine bestimmte Menge Korn an
den Pfarrer und Lehrer von Heuchelheim abzuliefern hätten. Diese Verpflichtung
wurde erst 1845 abgelöst.
Die Kirche war klein und es ist überliefert, dass man, um mehr Sitzplätze zu schaffen,
Kirchenbänke in den Mittelgang stellte. Auch der bauliche Zustand ließ sehr zu
wünschen übrig. Im Jahr 1856 berichtete der Pfarrer dem Superintendenten, dass
Steine herab fielen und ein Stück der Decke abgestürzt sei. Daraufhin erklärte
Bürgermeister Colnot im April 1857 die Kirche wegen Einsturzgefahr polizeilich für
geschlossen. Der Gottesdienst sollte vorerst bei gutem Wetter auf dem Lindenplatz
stattfinden, bei schlechtem Wetter in dem viel zu kleinen Schulsaal. Reparatur oder
Neubau war die Frage. Der Neubau scheiterte zunächst am Widerstand der
Gemeinde, die ihre alte Kirche lieber reparieren lassen wollte. Nach mehreren
Gutachten ordnete aber die Regierung schließlich den Neubau an. Nach vielen
Verhandlungen widmete der Gemeinderat sogar das für den Schulneubau gesparte
Geld (2000 Taler) für den Kirchenneubau um und beschloss, die Gesamtkosten zu
tragen. Die alte Kirche wurde abgetragen und 1862 mit dem Neubau begonnen.
Rund ein Jahr später, am 18. November 1863 konnte die neue Kirche feierlich
eingeweiht werden.
Die beiden alten Glocken von 1717 und 1839 wurden in der neuen Kirche
untergebracht und der Kirche noch eine neue große Glocke geschenkt. Übrigens
wurden sowohl im 1. als auch im 2. Weltkrieg Glocken abgeliefert und für die
Kriegswirtschaft eingeschmolzen.
Wenn wir schon die Rede davon ist, dass das für einen Schulneubau gesparte Geld
für den Kirchenneubau verwandt wurde, sollten wir auch einen Blick zurück auf die
Entwicklung der Schule in Kinzenbach werfen. Schulgeschichte ist ein wichtiger
Bestandteil der Ortsgeschichte und auch der Schulhausbau hat eine Vorgeschichte.
Zunächst soll wohl eine kleine Stube auf dem Backhaus als Schule gedient haben.
Als sich ein Gutshof, der in der Mitte des Dorfs lag, 1790 auflöste, kaufte die
Gemeinde das Wohngebäude und benutzte es als Schulhaus. Äußerlich sah das
Gebäude noch gut aus, aber es waren doch viele Reparaturen notwendig. Als
schließlich die Schülerzahlen immer mehr anstiegen, wurde die Forderung nach
einer neuen Schule und einer zweiten Lehrerstelle immer lauter.
Schließlich war das Gebäude wirklich in einem maroden Zustand. 1867 stürzte der
Träger, auf dem der Schulsaal ruhte, ein und 1872 im April brach während des
Unterrichts ein Teil des Fußbodens ein. Glücklicherweise wurden keine Personen
verletzt, aber der Unterricht musste jeweils einige Zeit ausfallen. Die Wohnung des
Lehrers war sehr beengt und nicht unterkellert. Die Zahl der Schulkinder betrug
1877-1887 im Durchschnitt 110 Kinder. Am 1. April 1889 wurde endlich die
Forderung nach einer zweiten Lehrerstelle erfüllt.
1905 beschloss der Gemeinderat endlich, eine neue Schule zu bauen. Die
Gemeinde kaufte zwei Grundstücke in der Bahnhofstraße (1905) und 1906 begann
der Bau. Bereits 1907 konnte das neue Schulhaus eingeweiht werden. Im Gebäude
waren nun zwei Schulräume, aber nur eine Lehrerwohnung, da sich der zweite
Lehrer ein eigenes Haus gebaut hatte.
Das ausgehende 18. Jahrhundert und das beginnende 19. Jahrhundert waren
geprägt von den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und
seinen europäischen Machtrivalen. Es soll hier nicht die ganze verwirrende
Geschichte der napoleonischen Zeit dargelegt werden. aber halten wir fest, dass
sowohl Nassau-Weilburg mit Kinzenbach als auch Hessen-Darmstadt mit
Heuchelheim dem Rheinbund unter dem Protektorat Napoleons beitreten mussten.
Vieh, Pferde, Futter und Lebensmittel wurden für militärische Zwecke
beschlagnahmt, es war sicherlich keine gute Zeit für die Bevölkerung.
Nach dem Sturz Napoleons kamen im Herbst 1814 in Wien die europäischen
Monarchen und Staatsmänner zusammen, um die politische Neuordnung Europas zu
regeln. Auch für unseren Ort Kinzenbach hatte dies Auswirkungen. 1815/16 kam es
mit anderen nassauischen Gemeinden zu Preußen und wurde mit den Gebieten der
Solmsischen Herrschaft zum Kreis Wetzlar zusammengeschlossen.
Durch den Krieg 1866 änderte sich für Kinzenbach in seiner Zugehörigkeit nichts - es
gehörte weiterhin zu Preußen.
1877/1878 erhielt Kinzenbach seinen Bahnhof im Zuge der Eröffnung einer
Teilstrecke der Kanonenbahn. „Kanonenbahn“ ist keine offizielle Bezeichnung. Im
Volksmund wurde so die militärstrategische Eisenbahnstrecke zwischen Berlin und
Metz bezeichnet. Diese wurde ohne Rücksicht auf eine wirtschaftliche oder zivile
verkehrliche Bedeutung in Friedenszeiten gebaut und verlief abseits der
Ballungsräume.
Die Teilstrecke Lollar - Wetzlar, an der auch der Halt Kinzenbach lag, umging den
hessischen Bahnknoten Gießen und verlief so weit wie möglich auf preußischem
Gebiet. Offiziell wurde die Strecke am 15. Oktober 1878 eröffnet.
Das 1877/78 gebaute Bahnhofsgebäude wurde bereits 1890 vergrößert. Bevor der
Bahnhof Abendstern 1888 als Verladebahnhof für Erz ausgebaut wurde, erfolgte die
Verladung aus den Bergwerken in Biebertal zum großen Teil in Kinzenbach (und
Gießen). 7 In den folgenden Jahren wurde noch ein Stellwerksraum an das
Bahnhofsgebäude angebaut (1925) und die Dienstwohnung aufgestockt
(1938/1939), 1956 schließlich ein zusätzlicher Haltepunkt (Kinzenbach-Ost) im
Bereich der Fa. Berkenhoff eingerichtet. Zwei Jahrzehnte später stand die
Kanonenbahn vor dem Aus. Schon seit 1945 war die Gesamtstrecke durch
Errichtung der Zonengrenze nicht mehr durchgängig befahrbar und die Bedeutung
der hessischen Streckenabschnitte sank. Im Mai 1977 wurde der Einsatz von
Personenzügen auf der gesamten Strecke Lollar-Wetzlar eingestellt. Die ab diesem
Zeitpunkt verkehrenden Triebwagen fuhren zuletzt 1980. In den folgenden Jahren
gab es nur noch einen minimalen Güterverkehr zwischen Wetzlar und Abendstern.
Die Gemeinde Heuchelheim kaufte 1985 das Bahnhofsgebäude, die Räume wurden
neu hergerichtet und beherbergen seit 1989 das Heimatmuseum, das seitdem eine

7 Rund 350 Zugtiere mit Wagen sollen täglich zwischen Bieber und Kinzenbach bzw. Gießen
unterwegs gewesen sein. Vgl.: Winter, Emil: Kinzenbach und sein Bahnhof, in: 1200 Jahre
Kinzenbach, 1991. S. 281

Begegnungsstätte für die Einwohner von Kinzenbach und Heuchelheim geworden
ist. Seit 2005 gibt es im Heimatmuseum auch ein Trauzimmer.
Aber noch einmal zurück. 1914 brach der erste Weltkrieg aus. Im Gemeindearchiv
Heuchelheim wird die Schulchronik8 aufbewahrt, die über Jahrzehnte geführt wurde
und über Beginn und Auswirkungen des 1. Weltkrieges Auskunft gibt. An dieser
Stelle seien nur einige Schlaglichter genannt:
In den ersten Kriegsmonaten herrschte noch Kriegsbegeisterung, die aber, je länger
der Krieg dauerte, immer mehr erlosch. Zu greifbar und bedrückend waren die
unmittelbaren Kriegswirkungen. Besonders belastend war in den Folgejahren der
zunehmende Mangel an Lebensmitteln. Alle, die es irgendwie ermöglichen konnten,
bauten Gemüse selbst an und hielten Kleinvieh. Der Landwirtschaft mangelte es
zunehmend an Arbeitskräften und schließlich wurden Kriegsgefangene
herangezogen, um die Feld- und Erntearbeiten zu erledigen. Es gab einschränkende
Schlachtbestimmungen und eine Abgabepflicht für landwirtschaftliche Erzeugnisse.
Die verordneten Rationen und Bezugsscheine hatten fast nur noch Papierwert;
Städter kamen aufs Land, um zusätzliche Lebensmittel zu ergattern und zu tauschen.
Zur besseren Ölversorgung wurde Sonnenblumenanbau angeordnet, die
Butterrationen schrumpften, die Schulkinder sammelten Heilkräuter und Bucheckern
und es wurde Unterricht über das Pilze sammeln erteilt.
Der Waffenstillstand im November 1918 beendete die Kriegshandlungen. Familien
trauerten um gefallene Väter und Söhne. Kinzenbach hatte 43 Gefallene zu
beklagen.
Die Folgen des 1. Weltkrieges machten sich noch lange bemerkbar und verhinderten
eine normale Entwicklung der Gemeinde.
Die Elektrifizierung der Gemeinde zog sich wegen der schlechten Finanzlage bis
nach 1918 hin.
Die Inflation war das beherrschende Thema. Die Entwertung der Mark hatte bereits
im 1. Weltkrieg begonnen. Die Kriegsfinanzierung wurde durch Kredite getragen.
Durch die hohen Kriegsfolgelasten (Umstellung von Kriegs- auf Friedensproduktion,

8 GemA Heuchelheim, Bestand Kinzenbach Nr. 53

Wiedereingliederung der Soldaten, Unterstützung der Arbeitslosen, der
Kriegsgeschädigten, Flüchtlinge…) und Reparationsverpflichtungen setzte sich die
Geldentwertung fort. Fortwährend überhöhter Banknotendruck und Geldüberhang
lösten Warenknappheit, Preistreibereien, Spekulationen und Kapitalflucht ins
Ausland aus. Der Wert der Mark sank in eine bodenlose Tiefe.
Auch in Kinzenbach war die Anpassung von Löhnen und Gehältern an die
steigenden Preise ein Dauerthema. Arbeitslosigkeit breitete sich aus.
Für fortschrittliche Investitionen, genannt seien an dieser Stelle beispielhaft
Wasserleitungen und Kanalisation, fehlte der Gemeinde einfach das Geld.
Aus der Schulchronik: „ Im Sommer 1922 setzte eine Teuerungswelle von
ungeahnter Höhe ein, die von Tag zu Tag stieg. ….die Preise für sämtliche
Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände erreichten eine unerschwingliche Höhe.
Ein vierpfündiges Markenbrot kostete 650 Mark, ein Zentner Kartoffeln 8000 Mark,
ein Pfund Butter 6000 Mark…“
Im November 1923 wurde die Talfahrt der deutschen Mark mit der Einführung der
Rentenmark beendet.
Nach einer kurzen Verschnaufpause von 1926 bis 1929 begann die
Weltwirtschaftskrise. Auch Kinzenbach litt unter der Arbeitslosigkeit. Inzwischen war
schon mehr als die Hälfte der Einwohner nicht mehr von der Landwirtschaft, sondern
von Arbeitsmöglichkeiten in Handwerk und Industrie abhängig.
Die Weltwirtschaftskrise in Verbindung mit den Kriegsfolgen schwemmte Hitler an die
Macht. Auch Kinzenbach blieb von den Ausschreitungen der Nationalsozialisten, den
neuen Machthabern, nicht verschont und Andersdenkende waren Willkürakten und
Schikanen ausgesetzt. Einige Gemeindebedienstete wurden aus politischen
Gründen entlassen. Arbeiterpartei, Freie Turnerschaft sowie Arbeitergesangvereine
wurden verboten, das Vermögen der Organisationen beschlagnahmt oder zerstört
und Vereinsfahnen verbrannt.
Die Kriegsjahre brachten Trauer, Nöte und Leid mit sich. Die bekannten
Kriegsmängel machten das Leben schwierig. Die nationalsozialistische Diktatur
regierte mit Furcht und Schrecken. Je länger der Krieg andauerte, desto mehr hoffte
man, dass er bald zu Ende sei.
„In den letzten Märztagen von 1945 erlebte das Dorf die letzten Zuckungen des
aussichtslosen Kampfes. Amerikanische Panzer rückten heran, Bombenflugzeuge
und Tiefflieger griffen die in der Nähe des Ortes verschanzten deutschen Einheiten
an. In den Gärten des oberen Dorfes standen vier Flakgeschütze unter dem
Kommando eines Oberleutnants. Altbürgermeister Bepler überzeugte den Offizier
von der Sinnlosigkeit weiter Opfer, der daraufhin die Geschütze sprengen ließ. Eine
weitere Flakstellung in der Nähe des Bahnhofs feuerte auf die von Atzbach
heranfahrenden amerikanischen Panzer. Die Amerikaner antworteten mit
Artilleriebeschuss. Eine Anzahl Häuser wurde schwer getroffen, drei Scheuen
brannten. Kirche, Schule und Bahnhof erhielten Treffer. Beherzte Männer gingen den
heranrollenden Panzern mit einer weißen Fahne entgegen. Auch auf dem Kirchturm
wurde eine weiße Fahne gehisst.“9
Die Besatzungsmacht bestimmte Karl Hedrich zum ersten Bürgermeister. Vier
Wochen später trat er altersbedingt zurück, an seine Stelle rückte dann Heinrich Pfaff
Ganz langsam begann sich das Leben im Dorf wieder zu normalisieren.
Kriegsschäden wurden beseitigt, die Bauern bestellten wieder ihre Felder, die ersten
Kriegsteilnehmer kehrten wieder nach Hause zurück. Erst 10 Jahre später kamen die
letzten Heimkehrer. Die Namen der Gefallenen und Vermissten des 1. und 2.
Weltkrieges stehen auf den Gedenktafeln an der neuen Friedhofskapelle.
Durch den Krieg waren viele öffentliche Arbeiten liegengeblieben oder unterbrochen
worden. Der 1936 begonnene und dann wieder unterbrochene Kanalisationsbau
wurde ab 1946 fortgeführt. Bis 1955 war dann der größte Teil des Ortes kanalisiert.
Im Frühjahr 1946 trafen in Kinzenbach rund 400 Heimatvertriebene ein. Zählte
Kinzenbach im Jahr 1939 noch 829 Einwohner, waren es 1947 bereits 1272.
Heimatvertriebene und Flüchtlinge brauchten Wohnungen, neues Baugelände wurde
von der Gemeinde ausgewiesen und erschlossen. Bis 1949 wurden
Lebensmittelkarten und Bezugsscheine für den notwendigen Bedarf ausgehändigt.
Die Währungsreform 1948 beendete den bis dahin verbreiteten Tauschhandel und

9 Bepler, Otto in: Programmheft zur 1200-Jahr-Feier Kinzenbach. S. 45

die Schwarzmarktwirtschaft praktisch über Nacht. Ende der 1940er Jahre begann im
Westen Deutschlands ein dynamischer wirtschaftlicher Aufschwung, die Zeit des
sogenannten „Wirtschaftswunders“.
Und in Kinzenbach wurde 1948 ein neues Backhaus gebaut, 1949 der Kirchturm
erneuert, 1950 die Leichenhalle gebaut.
Bürgermeister Heinrich Pfaff (1945-1948) wurde 1948 von Richard Leukel (1948-
1967) abgelöst.
1946 und 1947 wurden zwei neue Schulstellen eingerichtet und 1952 das Schulhaus
angebaut, denn nach dem zweiten Weltkrieg war die Schülerzahl derart gestiegen,
dass in vier Klassen unterrichtet werden musste. Bislang gab es aber nur zwei
Schulsäle. Aber die Zeiten ändern sich und ab Beginn der 1960 Jahre sanken die
Schülerzahlen erheblich. Schließlich sprach sich die Schuldeputation für den
Anschluss an das benachbarte Heuchelheim aus. Mit der Konstituierung des
Schulverbandes Heuchelheim-Kinzenbach am 9. 7.1964 und der Schuleinweihung
der Wilhelm-Leuschner-Schule (23.8.1964) endete die Selbstständigkeit der
Kinzenbacher Schule, sie wurde eine Außenstelle. Und 100 Jahre, nachdem man
das neue Schulhaus eingeweiht hatte, wurde dann sogar diese Außenstelle wegen
sinkender Schülerzahlen 2007 geschlossen. Seitdem fahren die Kinzenbacher
Grundschüler zum Unterricht nach Heuchelheim.
Da es auch in Kinzenbach eine große Zahl von Lehrerinnen und Lehrern gab,
ersparen Sie mir bitte eine Auflistung. Aber jeder von Ihnen kann sich ganz gewiss
an gute oder schlechte Erlebnisse während der Schulzeit und mit den verschiedenen
Lehrkräften erinnern.
1955/1956 wurde das Dorfgemeinschaftshaus gebaut. Es war das zweite
Dorfgemeinschaftshaus im Kreis Wetzlar. Im Haus wurden eine Wäscherei und eine
Obstkelterei eingerichtet. Daneben wurde der Kindergarten und ein Kinderspielplatz
gebaut.
Überhaupt wurden im Dorf viele Häuser erbaut und neue Straßen entstanden. 1956
ließ die Gemeinde das elektrische Versorgungsnetz ausbauen, denn die
Anforderungen waren doch höher geworden.
1957 wurde die Müllabfuhr eingeführt.
Hinsichtlich der Wasserversorgung schloss man sich an die Fernleitung der
Mittelhessischen Wasserwerke an. Immer mehr Abwässer erforderten mehr
Kanalisation und so strebte Kinzenbach eine Beteiligung an der neu zu erbauenden
Kläranlage des Ortes Heuchelheim an. Hier wurde wohl der Grundstein für den
späteren Zusammenschluss von Kinzenbach und Heuchelheim gelegt.
Die beiden Orte gehörten verschiedenen Landkreisen an. Kinzenbach gehörte zum
Landkreis Wetzlar, Heuchelheim zum Landkreis Gießen. Beide Orte hatten mit
gleichen Problemen zu kämpfen und es gab Berührungspunkte. Bei einigen
Maßnahmen bahnte sich eine immer enger werdende Zusammenarbeit an. Man traf
gemeinsame Vereinbarungen bei der Feldbereinigung, beim Ausbau der Kreisstraße
nach Kinzenbach und schließlich schloss man sich zu einem Schulzweckverband
zusammen, der den Bau und den Betrieb der Wilhelm-Leuschner-Schule zur
Aufgabe hatte. Wirtschaftliche und verwaltungstechnische Gesichtspunkte waren
letztendlich ausschlaggebend, dass sich die beiden Gemeindevertretungen auf einen
baldigen Zusammenschluss einigten. In beiden Orten wurden Bürgerversammlungen
durchgeführt und die Stimmung war durchaus positiv.
In einer Vielzahl von Gesprächen und Verhandlungen auf Kreis-, RP- und
Landesebene wurde der Weg freigemacht für den Zusammenschluss beider
Gemeinden am 1. April 1967. Kinzenbach und Heuchelheim, die schon einmal im
Mittelalter eine gemeinsame Gemarkung gebildet hatten, waren nun eine
Großgemeinde.
Es war einer der ersten Gemeinde-Zusammenschlüsse im Rahmen der hessischen
Gebietsreform und der erste Fall, dass Gemeinden aus zwei verschiedenen
Landkreisen und Regierungsbezirken zusammenfanden. Ein kleines Problem war die
Namensgebung, das Innenministerium in Wiesbaden lehnte den Vorschlag
Heuchelheim-Kinzenbach als zu lang ab. Weitere Namensvorschläge wie „Groß-
Heuchelheim“, „Heuchelbach“, „Heuchelkinz“ oder „Hessenpreuß“ wurden nicht
berücksichtigt und wie die Entscheidung letztendlich ausfiel ist ja bekannt.
Die gemeinsame Kassenführung funktionierte schon ab dem 1. Januar 1967, der
erste gemeinsame Haushalt wurde im Mai beschlossen. Am 4. Juni wurde die neue
Gemeindevertretung gewählt und Otto Bepler, der bisherige Bürgermeister von
Heuchelheim (seit 1962), zum Bürgermeister der Großgemeinde Heuchelheim
berufen.
Die gemeinsam geplante Kläranlage Heuchelheim –Kinzenbach wurde im Dezember
1967 nach 2-jähriger Bauzeit ihrer Bestimmung übergeben. Der Kostenaufwand lag
bei 2,9 Millionen.
Und ab hier verläuft die Entwicklung der beiden Orte Kinzenbach und Heuchelheim
in gewisser Weise gemeinsam.
1970 begann die Erschließung des Neubaugebietes zwischen dem Heuchelheimer
Friedhof und Bahnhofstr/ Kinzenbacher Bahnhof und des Gebietes rund um das
Hallenbad. Das Hallenbad wurde übrigens 1972 eingeweiht, ist aber mittlerweile
auch schon wieder Geschichte, denn seit 2005 ist es geschlossen. 1970 errichtete
die Gemeinde am Blumenring das neue Mehrzweckgebäude, das das alte
Dorfgemeinschaftshaus ersetzen sollte. Dieses dient seitdem überwiegend der
Feuerwehr und auch der Kindergarten konnte so erweitert werden.
Die Sporthalle wurde 1976 ihrer Bestimmung übergeben.
1973 zog die Gemeindeverwaltung in das neue Verwaltungsgebäude am Linnpfad
ein.
Von Januar 1977 bis Ende Juli 1979 gehörten Heuchelheim und Kinzenbach zur
Stadt Lahn, die aus Gießen, Wetzlar und den dazwischen liegenden Orten gebildet
wurde. Innerhalb der Stadt Lahn bildeten Heuchelheim und Kinzenbach den
Stadtbezirk Heuchelheim. Nach deren Auflösung wurde die Gemeinde Heuchelheim
in ihren alten Grenzen von 1967 als Großgemeinde wieder selbstständig.
Und hier endet auch mein kurzer Abriss über die Geschichte Kinzenbachs. Mancher
Punkt konnte in der Kürze der Zeit sicherlich nur kurz gestreift werden. Und bitte
sehen sie es mir nach, wenn anderes wiederum keine Erwähnung fand. Mit
Sicherheit kann man aber behaupten, dass Kinzenbach auf eine wechselvolle 1225-
jährige Geschichte zurückblicken kann und sich im Wandel der Zeiten behauptet hat.

 

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